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Wieso Low-Carb-Diäten nicht funktionieren und Kohlenhydrate am Abend nicht unbedingt dick machen

Kohlenhydratreduzierte Eiweißdiäten sind in. Sie versprechen eine schnelle und große Gewichtsabnahme. Und es funktioniert: Wer auf eine kohlenhydratreduzierte Ernährung (Low-Carb) umstellt, nimmt erst einmal ab. Dass er dabei jedoch in den ersten Tagen vor allem Wasser verliert und die Abnehmerfolge meist nur von kurzer Dauer sind, wird in der Low-Carb-Szene oft nicht erwähnt. In diesem Artikel erfährst Du, wieso Low-Carb-Diäten oftmals scheitern und zusätzlich sogar ein Risiko für die Gesundheit darstellen.

Tierisches Eiweiß macht krank

Low-Carb-Diät

Low-Carb-Diäten sind in. Bei dieser Form der Ernährung werden kaum Kohlenhydrate zu sich genommen, sondern nur Fett und Eiweiß - ein großes Risiko für die Gesundheit und zudem unwirksam.

Wer eine kohlenhydratreduzierte Diät macht, isst statt Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln vor allem Fleisch, Wurst, Käse und Eier. Eine solche tiereiweißreiche Ernährung gilt jedoch unter vielen Gesichtspunkten nachgewiesenermaßen als kritisch.

Ein hoher Fleischkonsum geht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen einher, mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und zwar unabhängig davon, ob noch weitere Einflussfaktoren wie Übergewicht oder Tabakkonsum vorliegen. Zudem liefern tierische Produkte, allen voran Wurst und Fleisch, viel Arachidonsäure, die als Ausgangsstoff für Entzündungen betrachtet wird. Je mehr Fleisch, Wurst und andere tierische Produkte man zu sich nimmt, desto größer die Gefahr, dass sich Entzündungen im Körper bilden.

Darüber hinaus steigen mit einem erhöhten Eiweißkonsum auch die Harnsäurewerte im Blut, die insbesondere dann, wenn auch noch regelmäßig Alkohol getrunken wird, das Risiko für Gicht erhöhen. So beobachtet zum Beispiel auch der Arzt für Naturheilverfahren und Homöopathie und Ayurveda-Spezialist Dr. med. Ernst Schrott in seiner Praxis, dass Fleischesser im Vergleich zu vegetarisch oder vegan lebenden Patienten deutlich häufiger von Gichtanfällen heimgesucht werden.

Wieso Low-Carb-Diäten scheitern

Eine Low-Carb-Ernährung macht auf Dauer aber nicht nur krank, sondern hilft meistens auch nicht beim Abnehmen, zumindest, wenn man die langfristigen Erfolge betrachtet. Viele Teilnehmer, die sich über die anfänglichen Gewichtsverluste freuten, fallen nur wenige Wochen nach Beginn der Ernährungsumstellung wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Den Grund könnte darin liegen, dass  Kohlenhydrate bei der Synthetisierung des körpereigenen Glücksbotenstoffes Serotonin eine wichtige Rolle spielen. Wenn zu wenig Kohlenhydrate gegessen werden, so die These einiger Wissenschaftler, entsteht ein Mangel an Serotonin, die Stimmung sinkt und infolgedessen reagiert der Körper mit starken Heißhungerattacken auf kohlenhydratreiche Speisen, um die körpereigene Produktion von Serotonin anzukurbeln.

Ob wir uns zufrieden und glücklich fühlen, aber auch, wie gut wir schlafen, hängt unter anderem von der Menge Serotonin ab, einem Glücksbotenstoff, der in unserem Gehirn gebildet wird. Je mehr Serotonin unser Gehirn herstellen kann, desto besser fühlen wir uns. Tryptophan, eine essentielle Aminosäure, die wir also über die Nahrung zu uns nehmen müssen, dient dabei als Baustoff für das Serotonin. Nur, wenn im Gehirn ausreichend dieser Aminosäure ankommt, können auch genügend Glücksbotenstoffe hergestellt werden.

Doch was hat das jetzt mit den Kohlenhydraten in unserer Ernährung zu tun?

Übergewicht

Durch eine kohlenhydratarme Diät entsteht ein Mangel an Serotonin. Dieser wiederum führt zu Heißhungerattacken auf kohlenhydratreiche Speisen. Das Resultat: Das Übergewicht bleibt oder kommt wieder.

Damit Tryptophan ins Gehirn gelangt, muss es zunächst die Blut-Hirn-Schranke überwinden, die das Gehirn vor unerwünschten Eindringlingen schützen soll. Dabei konkurriert Tryptophan mit anderen Aminosäuren wie Leucin, Valin oder Isoleucin um den Eintritt ins Gehirn.

Der Verzehr von Kohlenhydraten, insbesondere am Abend, hilft die Konkurrenten „auszuschalten“. Denn Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen, wodurch es zur Ausschüttung von Insulin kommt. Insulin fungiert hierbei als Türöffner für die Muskelzellen. Die mit dem Tryptophan konkurrierenden langkettigen Aminosäuren, die von den Muskeln bevorzugt werden, werden dadurch verstärkt aus dem Blut in die Muskeln befördert. So hat das Tryptophan dann sozusagen freie Bahn, um ins Gehirn zu gelangen.

Es könnte also sein, dass die Heißhungerattacken auf Nudeln, Brot, Süßigkeiten oder Alkohol, von den Menschen während einer Low-Carb-Diät immer wieder berichten, durch einen Mangel an Serotonin - ausgelöst durch zu wenig Kohlenhydrate - hervorgerufen werden. Dabei endet der Versuch, seinen Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sehr häufig in einem Rückfall in alte Ernährungsgewohnheiten.

Unterstützt wird diese These auch durch die Forschungen der Universität Maastricht. Hier konnte gezeigt werden, dass Teilnehmer, die eine kohlehydratreiche Ernährung durchführten, im Vergleich zu den Teilnehmern einer Low-Carb-Ernährung deutlich gelassener auf Stress reagierten und niedrigere Cortisolspiegel aufwiesen. Die Wissenschaftler vermuten, dass durch den ausreichend hohen Kohlenhydratgehalt in der Ernährung der ersten Gruppe ausreichend Serotonin gebildet werden konnte, so dass es ausgleichend auf das Stresshormon Cortisol einwirken konnte.

Auch im Ayurveda wird kohlehydratreichen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Reis eine nährende und seelisch ausgleichende Wirkung nachgesagt.

Lieber Kohlenhydrate statt Eiweiß am Abend

Wer abnehmen möchte, sollte zumindest abends keine Kohlehydrate essen, so die weitverbreitete Ansicht. Immer mehr Ernährungsexperten wie zum Beispiel der Gesundheitsberater Christian Dittrich-Opitz oder der Naturarzt Dr. med. Ernst Schrott sehen das anders. Wie wir gerade gesehen haben, fördern Kohlehydrate am Abend die Bildung von Serotonin und damit einen erholsamen Nachtschlaf. Eiweißreiche Abendmahlzeiten aus tierischen Produkten wirken sich hingegen sehr ungünstig aus. Im Gegensatz dazu sind Proteine aus pflanzlichen Lebensmitteln leichter verwertbar und können auch am Abend gegessen werden.

Weil Tiereiweiß nur sehr schwer verdaut werden kann, führt es häufig zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Unwohlsein. Insbesondere am Abend gegessen werden tierische Lebensmittel nicht mehr richtig verdaut und es kommt zu einer verzögerten Verweildauer im Darm. Dadurch entstehen Eiweißfäulnisprodukte, die über den Pfortaderkreislauf in die Leber gelangen. Vor allem Fleischessern haben daher oft erhöhte Leberwerte, die sich nach dem Streichen von tierischen Produkten, zumindest aus der letzten Mahlzeit, wieder normalisieren.

Auch Schlafstörungen sind für tiereiweißreiche Abendmahlzeiten typisch. Wegen der erschwerten Anforderungen an das Verdauungssystem wird der Schlaf oft unruhig, der Patient gerät ins Schwitzen und wacht morgens mit einer verstopften Nase auf. Fleischesser neigen zudem auch deutlich häufiger zum Schnarchen, was zu gesundheitsbelastenden Atemaussetzern führen kann.

Daher der Rat an alle, die besser schlafen und ihrer Verdauung etwas Gutes tun möchten: Zumindest abends keine tierischen Produkte essen, sondern lieber Kohlenhydrate.

Dass Kohlenhydrate am Abend nicht unbedingt dick machen, zeigen auch die Italiener mit ihrem hohen Anteil an kohlehydratreicher Pasta in ihrer Ernährung. Sie bilden laut statistischen Ermittlungen das Schlusslicht am unteren Ende der europäischen Körpergewichtsklassen, während Deutsche und Briten als bekennende Fleischliebhaber inzwischen zu den schwersten Europäern zählen. Trotzdem sollten wir natürlich auch hier auf Qualität statt Quantität achten und Kohlenhydrate bevorzugen, die langsam und gleichmäßig verstoffwechselt werden, also lieber Vollkorn- statt Weißmehlprodukte und lieber natürliche Süßungsmittel wie Stevia, Agavendicksaft oder Lucumapulver als herkömmlichen Haushaltszucker oder isolierte Fruktose verwenden.

Hier findest Du tolle Rezepte, die Dir die Umstellung auf eine pflanzliche und damit über alle Maßen gesunde Ernährung erleichtern: 

 

Noch mehr Tipps und leckere Rezeptideen findest Du auch in dem Kochbuch „Vegane Kochkunst“ von Matthias.

 Quellen: 

„Warum Italiener dünn sind und Fleischesser nicht“ von Dr. med. Ernst Schrott in der Zeitschrift Naturarzt Ausgabe 9/15
Christian Dittrich-Opitz: „Befreite Ernährung“
Joachim Mutter: „Grün essen!“
Campbell/Campbell: „China Study“

 

© Regenbogenkreis / Matthias Langwasser - Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text und die enthaltenen Bilder unterliegen dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf ohne Genehmigung weder kopiert oder veröffentlicht werden. Eine Verlinkung direkt auf die jeweilige Text-Seite sowie das Teilen in sozialen Netzwerken sind erlaubt und erwünscht.
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