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Über die Ursprünge des Veganismus: Wer hat vegan eigentlich erfunden?

Die Entwicklung des Menschen: Vom Jäger und Sammler zum Gourmet

Die Evolution des modernen Menschen durchlief viele Stadien, die auch unterschiedliche Ernährungsweisen mit sich brachten. Manche Menschenarten ernährten sich durchweg von Fleisch, während andere überwiegend von Pflanzen lebten.

Warum? Unsere Vorfahren lebten unter den verschiedensten Bedingungen. In kargen, nährstoffarmen Gebieten gediehen nicht so viele Pflanzen und die frühen Menschen mussten daher von der Jagd auf wilde Tiere leben, um an ausreichend Nährstoffe zu gelangen. Da das Jagen, Transportieren und Zubereiten von Wildtieren mit einem enormen Kraftakt verbunden war, bevorzugten die Menschen in Gebieten mit reicher Flora eine pflanzliche Ernährungsweise, im Zuge derer sie einfach fruchtige Beeren, saftiges Obst und knackiges Gemüse sammelten.

 Ursprünge des Veganismus

Im Laufe der Evolution durchliefen die Menschen unterschiedliche Ernährungsweisen

Und genau hier unterscheidet sich der moderne Mensch, der Homo sapiens sapiens, von den frühen Menschen: Er ist der erste Mensch, der sich frei entscheiden kann, was er isst.

Der Ursprung: Vegetarische Ernährung in der Antike

Die ersten belegbaren Ursprünge des Veganismus sollen auf die Orphiker um 600 v. Chr. zurückgehen. Sie lebten für die „Befreiung der Seele“ und verzichteten als Hommage an das Leben nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier, Milch oder Wolle. Ihre Enthaltsamkeit war demnach vor allem religiöser Natur. (1)

Auch viele Pythagoreer – so werden die Anhänger des Philosophen und Mathematikers Pythagoras genannt – ernährten sich aus religiösen Gründen fleischlos. Pythagoreer waren der Ansicht, dass allen Lebewesen eine Freundschaft innewohnt, die sie verbindet. Der Mensch als vernunftbegabtes Lebewesen sollte nach einer friedlichen Lebensweise streben.

Pythagoras selbst soll, den Aufzeichnungen zufolge, morgens Brot und Honig und abends Gemüse gegessen haben.

Er hätte sogar Fischer dafür bezahlt, ihren Fang wieder ins Meer zu werfen. Heute ist den meisten Menschen, von all seinen Lehren, nur mehr der „Satz des Pythagoras“ ein Begriff, welchen Schulkinder in Mathematik lernen. Dass auch Tiere in der Lebensweisheit des großen Philosophen einen besonderen Stellenwert einnahmen, bleibt größtenteils unerwähnt. (2)

Anti-Gewalt: Die vegane Lebensweise in Indien

Auf der ganzen Welt formten sich in diesem Zeitalter religiöse Bewegungen, die sich vollkommen ohne Fleisch ernährten. Der Jainismus in Indien war für das Ideal bekannt, dass keinem Lebewesen Schaden zugefügt werden sollte und demnach auch Tiere nicht umgebracht und gegessen werden durften.

Im Hinduismus und Buddhismus ist die pflanzliche Ernährung aus religiöser Überzeugung bis heute ein wichtiges Thema: Auch wenn immer mehr Menschen sich mittlerweile das Luxusgut Fleisch leisten können, leben mehr als 40 % der Bevölkerung vegetarisch bzw. vegan. (3)

 Ursprünge des Veganismus

Im Buddhismus ist eine pflanzliche Ernährung elementar

«Meine Liebe gehört den Kreaturen, die keine Füße haben; auch denen mit zwei Füßen und ebenso denen, die viele Füße haben. Mögen alles Geschaffene und Lebendige, mögen alle Wesen, welcher Art auch immer sie seien, nichts erfahren, wodurch ihnen Unheil droht. Möge ihnen niemals Böses widerfahren.» - Buddha

Jeremy Bentham: Der erste Verfechter von Vegetarismus aus ethischen Gesichtspunkten?

Lange Zeit wurden Tiere in den meisten Kulturen als etwas angesehen, das evolutionsbedingt und aus physischen Gründen, sowie fehlenden Emotionen „unter“ dem Menschen stünde.

Im 18. Jahrhundert war der Philosoph Jeremy Bentham, einer der ersten Wissenschaftler, die dieser Ansicht widersprachen: So trug der Tierrechtler schon im Jahre 1789 seine Überzeugung in die Welt, dass „die Zahl der Beine, die Behaarung der Haut und das Ende des os sacrum sämtlich unzureichende Gründe sind, ein lebendiges Wesen schutzlos den Launen eines Peinigers auszuliefern." (4)

Pescetarismus: Die inkonsequente Abkehr von Fleisch

Eine weitere frühe (meiner Ansicht nach widersprüchliche) Ernährungsform, die ebenfalls kein Fleisch beinhaltet, findet sich in einigen Vorläuferformen des Christentums: Anhänger des Pescetarismus verzehren kein Fleisch von warmblütigen Tieren - verzichten demnach auf Schwein, Rind, Lamm und Co. Fisch ist allerdings erlaubt. (5) Der Begriff ist demnach eine Wortschöpfung aus dem lateinischen 'piscarius' (Fisch) und dem Begriff Vegetarismus.

Mittlerweile weiß man, dass Fische nahezu das gleiche Hormonsystem wie Menschen haben, ebenfalls empfindungsfähig sind und sogar – bei widrigen Lebensumständen - zu Depressionen neigen können. (6)

Vegan leben in der Neuzeit: Die „Vegan Society“

„Vegan“ ist eine Wortneuschöpfung durch den Tischler Donald Watson, der im Jahre 1944 die Vegan Society gründete. Watson suchte nach einem Begriff, der Vegetarier untereinander abgrenzte – nämlich jene, die Milch und Eier aßen und solche, die auf tierische Produkte zur Gänze verzichteten. Um den „strengen“ Vegetarier hervorzuheben, nannte er die Menschen, die sich konsequent pflanzlich ernährten, „total vegetarians“.

Das reichte ihm jedoch noch nicht, denn er wünschte sich eine klarere Unterscheidung zum Vegetarier. Dies gelang ihm schließlich mit dem Wort vegan, das sich aus den Anfangs- und Endbuchstaben von "vegetarian" zusammensetzt. Laut der Vegan Society hat dies auch Symbolcharakter: Ihnen zufolge denkt der Veganismus den Vegetarismus konsequent zu Ende. (7) 

Die Vegan Society wurde im August 1964 als Wohltätigkeitsorganisation registriert und schließlich im Dezember 1979 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dieser Schritt zeigt, welchen enormen Zuspruch die, einst von einer Handvoll Menschen gegründete, Bewegung in kurzer Zeit erfahren hat. Über die Jahre wurden die Definition von Veganismus und die unterstützten Projekte der Gesellschaft, immer wieder geändert und verfeinert. Eine bestimmte Definition beschreibt das Leitbild aber bis heute sehr gut:

„… eine Philosophie und Lebensweise, die - soweit möglich und durchführbar - alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren für Nahrung, Kleidung oder andere Zwecke ausschließt; und im weiteren Sinne die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zum Nutzen von Mensch, Tier und Umwelt fördert. Diätetisch bedeutet es, auf alle Produkte zu verzichten, die ganz oder teilweise von Tieren stammen.“ (8)

Watson kritisierte an der vegetarischen Lebensweise, dass auch Milchkühe im Schlachthaus enden, nachdem sie “ausgedient” haben, sie unter unwürdigen Umständen gehalten und ihnen ihre Kälber weggenommen werden.

Sein damit erhobener Vorwurf, dass vegetarisch lebende Menschen indirekt für den Tod und das Leid von Tieren verantwortlich sind, ist kein neuer: Diese Kritik wurde schon vom deutschen Schriftsteller Dr. P. Andries in seinem Werk "Der Vegetarismus und die Einwände seiner Gegner" (1893) eingebracht. Er argumentierte unter anderem damit, dass “der indirekte Urheber eines Vergehens oder Verbrechens, moralisch genommen, meist viel schuldiger sei als der direkte Urheber”. (9)

7 Fakten zur Geschichte des Veganismus in der Neuzeit

    • Bereits im Jahre 1830 schrieb der Ökonom Charles Carey in den USA über die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der Massentierhaltung. Er war bereits damals der Ansicht, dass tierische Produkte in Zukunft zunehmend durch pflanzliche ersetzt werden müssen.
    • In Deutschland erschien das Buch des Revolutionärs Gustav Struve mit dem Namen „Pflanzenkost – die Grundlage einer neuen Weltanschauung“ im Jahre 1869.
    • Als deutscher Gründer des Vegetarismus gilt Eduard Baltzer. Seine Ernährungsform kann nach heutigen Gesichtspunkten als vegan beschrieben werden. Baltzer fungierte als Pionier bei der theoretischen Begründung, in praktischen Fragen, bei der Vereinsbildung und der vegetarischen Kochbuchliteratur.
    • Seit dem Jahr 1902 findet sich im Lexikon „Brockhaus“ eine Definition des „strengen Vegetariers“, die mit dem heutigen Wort „vegan“ gleichgestellt werden kann.
    • Der erste vegetarische Verein wurde 1867 gegründet.
    • Schon 1895 existierten 18 vegetarische Restaurants in Berlin.
    • Die „Vegetarische Warte“, eine Vereinszeitung des Vegetarierbundes, nannte Menschen, die zwar kein Fleisch, aber Milch und Eier konsumierten, „Vegetarier der laxeren Observanz“. (10)
 Ursprünge des Veganismus

Die vegane Küche ist vielseitig und lecker

Wem gehören die Tiere? Ein Denkexperiment von Richard David Precht

Das Gedankengut der Tierethik ist alles andere als neu – dennoch streut der im Moment populäre Philosoph, Richard David Precht, wieder wichtige Fragestellungen wie: „Wie sollen wir mit Tieren umgehen?“, „Ist unser Umgang mit Tieren richtig und moralisch vertretbar?“ oder: „Wem gehören die Tiere?“, in die breite Masse.

Precht ist dafür bekannt scharfsinnig, aber mit der nötigen Portion Humor, die Denkmodelle unserer moralischen Normen aufzudröseln und zu hinterfragen. Er bedient sich dabei mehrerer Disziplinen und schlägt den Bogen von der Verhaltensforschung über die Religion und Philosophie bis hin zum gesetzlichen Rahmen.

Auch wenn manche seiner Thesen meiner Meinung nach noch nicht konsequent zu Ende gedacht sind (Precht findet beispielsweise, Insekten könnten eine Alternative zu Fleisch werden), ist es ein enormer Fortschritt, dass die Denkweisen eines Tierethikers in unserer modernen - leider wenig reflektierten - Gesellschaft so viel Zuspruch finden.

Aktuelle Zahlen: So viele Veganer leben weltweit

Man schätzt die Zahl der in Deutschland lebenden Vegetarier auf etwa 8 Millionen, was 10 % der Bevölkerung entspricht.

Einer Befragung des Marktforschungsinstituts Skoposzufolge, ernähren sich aktuell 1,3 Millionen Menschen in Deutschland ausschließlich von pflanzlichen Lebensmitteln, sind also Veganer.

Es zeichnet sich eine erfreuliche Entwicklung ab: Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 essen mittlerweile mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen seltener Fleisch – und zwar bewusst.

Eines ist sicher: Die Zahl der Veganer und Vegetarier wird auch in Zukunft kontinuierlich ansteigen. In einer Welt voller Zivilisationskrankheiten, Ausbeutung, Tierleid und Ressourcenverschwendung entscheiden sich immer mehr Menschen für die Vorteile einer pflanzlichen Lebensweise. (11)

 Ursprünge des Veganismus

Immer mehr Menschen verzichten auf den Konsum von Fleisch

3 gute Gründe für ein veganes Leben

1. Pflanzliche Nahrungsmittel wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus

Herzinfarkte, Schlaganfälle & Co. zählen leider auch in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen - bei beiden Geschlechtern.

Die Lösung? Nicht noch mehr Medikamente, sondern eine rein pflanzliche Ernährungsweise! Die American Heart Association ist ebenfalls der Überzeugung, dass eine ausgewogene (!) vegane Ernährung fettarm und damit auch nahezu cholesterinfrei ist, was das Risiko für Herz -Kreislauferkrankungen vermindert. (12)

 Ursprünge des Veganismus

Eine vegane Ernährung wirkt sich positiv auf die Herzgesundheit aus

2. Kein anderes Lebewesen nimmt im Erwachsenenalter Muttermilch zu sich

Der durchschnittliche erwachsene Mensch trinkt die Milch einer komplett anderen Art – und davon nicht gerade wenig. Das Vieh, das für die Milchproduktion gehalten wird, würde unter normalen Umständen nur einen sehr geringen Teil der heute in Massentierhaltung produzierten Milch abgeben. Kühe bekommen Hormone, damit sie in regelmäßigen Abständen kalben. Dies führt in vielen Fällen zu einer Entzündung der Milchdrüsen, die medikamentös behandelt werden muss – weshalb sich in abgemolkener Milch nicht selten Eiter, Blut und Antibiotika-Rückstände finden. Das Problem sind also nicht nur die Wachstumshormone in der Milch, welche normalerweise den Kälbern helfen, zu einer erwachsenen Kuh zu werden, sondern vielmehr auch die Medikamentenrückstände. (13)

3. Massentierhaltung schadet der Umwelt

Mittlerweile sind sogar die Vereinten Nationen der Ansicht: Die Tierindustrie verursacht mehr CO2-Emissionen als weltweit alle Autos, Schiffe und der Flugverkehr zusammen. 51 Prozent der Treibhausgase sollen auf den Futteranbau, durch Massentierhaltung ausgestoßene Methan-Gase und Viehtransporte zurückgehen. (14)

 Ursprünge des Veganismus

Eine pflanzliche Ernährungsweise schützt die Umwelt

Vegane Ernährung kann so einfach sein: Pflanzliche Lebensmittel im Regenbogenkreis-Onlineshop

Wenn Du nicht mehr für Tierleid und Umweltverschmutzung mitverantwortlich sein willst, vorhast Dich pflanzlich zu ernähren oder dies schon tust, bist Du bei uns genau richtig.

Als Naschkatze kommst Du mit unserer Rohkost-Schoki auf Deine Kosten, wenn Du es lieber pikant magst, greif am besten zum herzhaften Sauerkraut-Knäcke oder füll Deine Vitalstoffdepots mit unseren naturbelassenen Pflanzenpulvern! Falls Du Inspiration für Deine täglichen Speisen suchst, kann ich Dir das liebevoll bebilderte Kochbuch „Vegane Kochkunst“ unseres Gründers Matthias sehr ans Herz legen.

Quellenangabe:

(1)   https://vegan.at/inhalt/die-1-veggies

(2)   https://www.independent.co.uk/life-style/who-were-the-world-s-very-earliest-vegans-a7668831.html&prev=search

(3)   https://vebu.de/veggie-fakten/geschichte-des-vegetarismus-und-veganismus/

(4)   https://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay/seite-3

(5)   https://vistano.com/ernaehrung/wiki/pescetarismus/

(6)   https://www.welt.de/kmpkt/article169750716/Daran-erkennst-Du-ob-dein-Fisch-unter-Depressionen-leidet.html

(7)   https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/veganismus_1807.htm

(8)   https://www.vegansociety.com/about-us/history

(9)   http://www.norbertmoch.de/_vegetarismus_veganismus/historisches/Der_Vegetarismus_Andries_1893.htm

(10) Fritzen, Florentine: Gemüseheilige. Eine Geschichte des veganen Lebens. Stuttgart. 2016 

(11)https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/anzahl-veganer-und-vegetarier-in-deutschland/

(12) https://application.wiley-vch.de/books/sample/3527710477_bonus.pdf

(13) https://www.nicole-just.de/139-warum-vegan-leben-10-grunde-die-zum-nachdenken-anregen.html

(14) https://superveganer.de/aktuelles/wie-unsere-ernaehrung-dem-klima-schadet/

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