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Freies Lernen an der Freien Schule Heckenbeck

Freie Schule Heckenbeck

Die freie Schule in Heckenbeck.

In diesem Beitrag wird exemplarisch zum Thema "freies Lernen" die Freie Schule Heckenbeck (FSH) vorgestellt. Diese alternative Schule im Landkreis Northeim in Niedersachsen startete 2001 mit einer Grundschule und 2004 mit einer integrierten Haupt- und Realschule. Der Aufbau der Schule wurde von den Eltern selbst in die Wege geleitet und ist bis heute durch die enge Zusammenarbeit von Schule und Familien gekennzeichnet.

Rahmendaten

In der FSH, einer „Ersatzschule von besonderer pädagogischer Bedeutung“, lernen und spielen derzeit circa 90 Kinder und Jugendliche auf ganz besondere Art und Weise. Die FSH hat sich dem Konzept des freien Lernens verschrieben. Das bedeutet, dass es weder starre Klassenstrukturen noch feste Stundenpläne gibt. Die Schüler können frei nach eigenem Interesse das lernen, was ihnen im Moment wichtig erscheint. Dafür stehen in der vorbereiteten Umwelt viele Materialien zur Verfügung. Die „Lernbegleiter“ genannten Lehrer mischen sich nur auf die explizite Anfrage eines Schülers in seinen Lernprozess ein.
Die Jahrgänge von 1 bis 10 verteilen sich auf drei verschiedene Altersgruppen. Allen zusammen stehen insgesamt 720 qm Fläche zur Verfügung. Hier finden sich Stillarbeitsräume mit Computerplätzen, Gruppenräume, ein Labor, ein Werkbereich, eine Küche und einige Orte mehr innerhalb des Schulgebäudes. Im Außenbereich gibt es einen Spielplatzbereich mit Sand, Wasser und Klettermöglichkeiten sowie einen Schulgarten. Für besondere Projekte können die Räumlichkeiten des kleinen Theaters „Weltbühne“ direkt neben der Schule mitgenutzt werden.
Das pädagogische Team an dieser Schule besteht bei Weitem nicht nur aus studierten Lehrern und Erziehern. Es arbeiten auch Einzelhandelskauffrauen, Biologen, Übersetzer, Tischler, drei Einzelfallhelfer, von Zeit zu Zeit auch fremdsprachliche Praktikanten und ein bis zwei FÖJler mit den Schülern.

Schulalltag

Morgens kommen die Schüler der FSH zwischen 7:30 Uhr und 8:30 Uhr auf dem Schulgelände an. Wer möchte, kann zwei Mal pro Woche beim Frühsport mitmachen. Ebenfalls zwei Mal pro Woche finden innerhalb der drei Altersstufen Morgenkreise statt. Dort wird diskutiert, informiert und es werden stufeninterne Beschlüsse gefasst. Jeder kann dafür ein Thema einbringen. In den ersten Wochen nach Schulbeginn gibt es für die Schulanfänger morgendliche Kleingruppen, die ihnen den Start in das selbstbestimmte Schulleben erleichtern sollen.
Zwischen 8:30 Uhr und 10:00 Uhr ist in den Räumen der Sekundaria und Tertia Stillarbeit angesagt. Jeder kann in Ruhe dort die Themen bearbeiten, die ihn interessieren. Es wird nur im Flüsterton miteinander gesprochen. Die Lernbegleiter stehen bei Bedarf auf Anfrage zur Verfügung. Schulschluss ist für alle zwischen 12:30 Uhr und 13:00 Uhr.
Einmal in der Woche findet für alle Interessierten eine Schulversammlung statt. Hier werden Themen besprochen und Beschlüsse gefasst, die die gesamte Schule betreffen. Jeder Schüler oder an der Schule Tätige kann vorher schriftlich ein Thema einreichen. Ebenso hat jeder an der Versammlung Teilnehmende eine gültige Stimme bei den Beschlüssen. Erwachsene und Minderjährige sind so auf dieselbe Ebene der Mitbestimmung und Verantwortung gestellt.

Grundprinzipien und Regeln

Grundsätzlich steht beim freien Lernen das Vertrauen in die inneren Wachstumskräfte des Menschen im Mittelpunkt. Darauf fußen alle Lernangebote und das gesamte Miteinander der Erwachsenen mit den Kindern und Jugendlichen. Es werden keine festen Zeitpläne oder Inhalte vorgegeben. Alles, was die Schüler lernen, ist von ihnen selbst ausgewählt. Auch wann und wie gelernt wird, unterliegt der Selbstbestimmung. Die Aufgabe der Lernbegleiter ist es lediglich, die Umwelt anregend vorzubereiten und bei Bedarf zur Verfügung zu stehen. Es gibt keine Form von Zensuren. Zwar werden das Verhalten und die inhaltlichen Fortschritte schriftlich dokumentiert, aber ohne irgendeine Bewertung vorzunehmen.
Da das Leben in Gemeinschaft erheblich erleichtert wird, wenn sich alle Mitglieder auf ein paar Grundregeln des Miteinanders einigen können, gibt es auch an der FSH eine Handvoll Leitsätze. In den fünf Grundregeln des Zusammenseins, die für alle Besucher der Schule gleichermaßen gelten, ist Folgendes festgehalten:

  • Die absichtliche Zerstörung von Material ist verboten.
  • Wird Material nicht mehr gebraucht, wird es aufgeräumt.
  • Der Arbeitsplatz wird stets sauber hinterlassen.
  • Es darf niemand verletzt oder geärgert werden.
  • Ohne die Einwilligung des Kindes darf sich niemand in seine Tätigkeit einmischen.

Sollte es einmal zu einem Streit kommen, gibt es ein ausgeklügeltes System zur Konfliktschlichtung. Dies ist ein sehr wichtiger Baustein in der Entwicklung der Kinder. So bekommen sie von klein auf mit, wie man mit Meinungsverschiedenheiten konstruktiv umgehen kann. Sie lernen, sich in konträre Standpunkte hineinzudenken und destruktive Verhaltensweisen, wie zum Beispiel eine Schlägerei, zu vermeiden. Die Konfliktschlichtung geht in mehreren Instanzen vonstatten und ist in dieser Form für alle Mitglieder der Schule verbindlich:
Die streitenden Parteien müssen zunächst von sich aus signalisieren, dass sie eine Einmischung von Extern in ihren Konflikt wünschen. In erster Instanz wenden sie sich an einen Klärungshelfer. Das ist ein ausgewählter Schüler, der in Mediation geschult worden ist. Kann dieser keine Einigung herbeiführen, wird das Problem schriftlich für den nächsten Morgenkreis eingereicht. Besteht der Konflikt nach dem Morgenkreis weiter, geht er vor die Schlichtergruppe. Hierbei handelt es sich um vier ausgewählte Schüler der Sekundaria und Tertia, sowie zwei Erwachsene. Diese Gruppe sucht mithilfe eines vorgegebenen Verfahrens nach einer Einigung. Kann diese nicht erreicht werden, entscheidet sich die Schlichtergruppe für eine Form der Beilegung des Konflikts. Durch ein Protokoll wird der Prozess für alle transparent gemacht. Aus den vergangenen Erfahrungen mit diesem Vorgehen an der FSH wird deutlich, dass die Schlichtergruppe sehr gut akzeptiert ist und ein hohes Maß an Vertrauen genießt.

Freie Schulen

Spielerisches Lernen an einer freien Schule.

Lernformen

Grundlegend wird zwischen den strukturierten Lernformen und den alltäglichen Lernanlässen unterschieden. Zum strukturierten Lernen gehören Projekte, Kurse, Bücher, Praktika usw. Zu den täglichen Lernanlässen kommt es dadurch, dass jedes Kind jeden Tag selbst entscheidet, was es machen möchte. So schafft es sich alleine oder zusammen mit anderen, selbst-organisiert oder im Rahmen eines Angebots die Möglichkeit, verschiedenste Dinge zu lernen.

Die strukturierten Lernformen variieren in Abhängigkeit vom Alter der Kinder. So ist beispielsweise die Beschäftigung mit didaktischem Material zur Aneignung spezieller Kenntnisse und kognitiver Fähigkeiten in jeder Altersstufe sinnvoll. Es fördert Selbstkontrolle und die Wahrnehmung eigener Interessen. Dabei fördert es Entscheidungsfähigkeit und Selbstvertrauen. In Heckenbeck stehen den Kindern zum Beispiel Perlenmaterialen nach Montessori zur Verfügung, mit denen Grundlagen der Mathematik erlernt werden können. Zum Erlernen von Fremdsprachen gibt es zu verschiedenen Sprachen Material, das nach der Assimil-Methode vorgeht. Angelehnt an das Sprachenlernen bei kleinen Kindern schreitet diese Methode vom hauptsächlichen Aufnehmen einfacher Sätze zum zunehmendem Produzieren immer komplexer werdender Satzkonstruktionen voran.

Kinder lernen unheimlich viel beim Spielen. Deswegen ist dies eine der zentralen Lernformen in der FSH. Widmen sich die jüngeren Schüler eher dem freien Spiel, so gewinnen bei den Älteren Sport- und Regelspiele, wie auch Denk- und Strategiespiele an Bedeutung. Im Spiel werden mit Ehrgeiz und Spaß Erfahrungen gesammelt, die aus den verschiedensten Bereichen von allgemeinem Sozialverhalten bis hin zu fachspezifischen Inhalten, wie zum Beispiel der Verwaltung von Geld, reichen können.

Die sogenannten Kurse ähneln in ihrem Aufbau am ehesten dem konventionellen Unterricht. In Einheiten zu festgelegten Themen lernen die Kinder insbesondere Inhalte klassischer Schulfächer kennen. Daher eignet sich diese Lernform besonders gut für die Vorbereitung auf Abschlussprüfungen. Wichtig ist aber, dass jeder Schüler sich freiwillig für einen Kurs anmeldet. Nach der Anmeldung ist die Anwesenheit an den Terminen aber verpflichtend.

Die Angebote ähneln den Kursen oft in ihrer Struktur. Der Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass die Inhalte aus allen Richtungen vorgeschlagen werden können. So gibt es womöglich ein Elternteil, dass gerne ein bestimmtes Thema einbringen möchte oder die Schüler kommen in der Gruppe auf Inhalte, mit denen sie sich näher beschäftigen wollen. Das Angebot kann turnusmäßig wiederkehren oder einmalig sein. Je nach Beschaffenheit der Inhalte ist eine Teilnahme verbindlich oder spontan möglich. Inhaltlich ist alles denkbar: von Chinesisch über Philosophie der Antike bis hin zu Sexualkunde darf alles dabei sein, was interessiert.

In Projekten werden oft komplexe Themen über einen längeren Zeitraum erarbeitet. Hier ist es vor allem wichtig, auch den Prozess des Erarbeitens zu beobachten und zu reflektieren. Es ist ein unabdingbarer Schritt auf dem Weg zu selbstständigem Lernen. Viel Wissen muss zusammengetragen, integriert, abstrahiert und konkret angewendet werden. Je nach Alter der teilnehmenden Kinder ist das Vorgehen etwas anders. Bei den Jugendlichen ist mehr möglich, da diese alleine planen und selbstständig außerhalb der Schule agieren können, um Material und Informationen zu erhalten.

Ein Schwerpunktthema der freien Schule in Heckenbeck ist die Nachhaltigkeit. Hierzu gibt es immer wieder verschiedene Projekte. So fand beispielsweise einmal eine Projektwoche zum Thema „Energie“ statt mit einem Besuch aus Tschernobyl und einem Experimentiertag, an dem es keinen Strom in der Schule gab. So konnten die Kinder sehr eindrücklich erleben, wo überall Energie verbraucht wird und welch ein Luxus unbegrenzter Zugang zu Strom ist.

Ein anderes Projekt ist der wöchentliche Bio-Mittagstisch. In diesem Rahmen kochen die Schüler der Sekundaria jeden Mittwoch für alle, die sich vorher anmelden. Die Zutaten kommen hauptsächlich aus der örtlichen Solidarischen Landwirtschaft und dem Mitglieder-Bioladen. Finanziert wird alles über die Spenden der Mitessenden. So können die Jugendlichen lernen, was es bedeutet, richtig zu wirtschaften. Außerdem lernen sie über die Vernetzung der verschiedenen Strukturen, wo die Lebensmittel herkommen bzw. produziert werden.

Im Rahmen von Exkursionen und Reisen wird der eher künstlichen Welt der Schule der Rücken gekehrt. Durch das Erleben der echten Welt tun sich neue Zusammenhänge und Fragen auf. Gerade auf Tages-Exkursionen können die Schüler auch ihre Fähigkeiten zu Organisation und Planung erproben. Ziele müssen geklärt und Möglichkeiten abgeschätzt werden. Eine aufschlussreiche Aktion ist es gerade für die älteren Schüler, mögliche Berufsumfelder kennenzulernen. Dies bringt Ideen für die eigene Zukunft und zeigt sehr realistisch, was Anforderungen und Gegebenheiten sein werden. Die Schüler reisen auch zusammen für längere Zeit, teilweise sogar ins Ausland. Üblicherweise planen die Schüler auch hier selbst und kümmern sich auch um die Finanzierung. So werden Spenden gesammelt oder es wird eine Aktion mit Eintrittskarten veranstaltet. Unterwegs gibt es dann hautnahen Kontakt mit anderen Sprachen, Kulturen, Geographie, Flora, Fauna, Klima und vielem mehr.

Für die Schüler der FSH gibt es ab dem Alter von 10 Jahren die Möglichkeit, Praktika zu machen. Bis sie 13 Jahre alt sind, werden die Plätze durch einen Erwachsenen organisiert – natürlich entsprechend der Wünsche des Schülers. Später können sie sich selbst darum kümmern und sich einen beliebig langen Einblick in den Betrieb ihrer Wahl verschaffen.

Ein weiteres Konzept, die Schüler an die Lebenswirklichkeit heranzuführen, ist die Schülerfirma. Ab der 9. Klasse können die Jugendlichen selbstständig ihre Dienstleistungen auf dem freien Markt anbieten. In Zusammenarbeit mit junior-programme.de wird schrittweise gelernt, was man alles beachten muss, um in der freien Marktwirtschaft Fuß zu fassen und zu überleben.

Selbstverständlich sind die hier aufgezeigten Möglichkeiten zu lernen in der Realität selten so strikt getrennt und voneinander unabhängig, wie es hier der Verständlichkeit halber dargestellt wurde. Vieles geht ineinander über und auseinander hervor. Die verschiedenen Lernformen können sich bei einem Thema gegenseitig ergänzen oder miteinander verschmelzen. In der Schule wird die Realität des Lernens ganz den Wünschen und Bedürfnissen der Lernenden angepasst.

Lernen nach Alter

Je nachdem in welcher Altersstufe die Schüler sich befinden, sieht ihr Lerntag in der Schule anders aus. Das ergibt sich ganz natürlich durch die verschiedenen Entwicklungsstufen, die der Mensch im jungen Alter durchläuft. Je nach Stufe stehen andere Interessen im Mittelpunkt und es entwickeln sich andere Fähigkeiten, mit dem Input umzugehen.

In der Primaria von 6 bis 10 Jahren stehen Spielen und Toben noch eindeutig im Vordergrund. Mehr oder weniger nebenbei entdecken die Kleinen erste Laute und Buchstaben. Was man gelernt hat, kann gleich in kleinen Botschaften ausgetestet werden. In Momenten höherer Konzentration werden zum Beispiel die Fingerfertigkeiten bei der Handarbeit geübt. Auch mathematische Grundlagen können erspielt werden, so zum Beispiel mit den speziell konzipierten Montessori-Materialien. Bei der Teilnahme an Angeboten, wie beispielsweise einer Schreibwerkstatt oder dem Erlernen englischer Lieder, erfahren bereits die Jüngsten, was es heißt, bestimmte Ziele auszuwählen und sich auf deren Erreichung zu verpflichten.

In der Sekundaria spielen Bewegung und Sport weiterhin eine große Rolle. In wettkämpferischen Auseinandersetzung werden die eigenen Stärken entdeckt und die Bedeutung der Einhaltung von Regeln erfahren. Nach und nach bilden sich die eigenen Interessen heraus. Hat sich ein Schüler auf einem Gebiet zum Spezialisten gemausert, kann er anderen seine Kompetenz in Referaten oder Projekten weitergeben. In der Sekundaria sind die Kinder alt genug, um selbst Ausflüge oder Veranstaltungen zu organisieren. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und zu koordinieren.

Ein zentrales Thema ist in diesem Alter auch die Wahrnehmung und das Ausdrücken von Gefühlen. Es findet mit zunehmendem Interesse die Auseinandersetzung damit statt, was es bedeutet, ein Junge oder ein Mädchen zu sein. Sind die Eigenheiten der Geschlechter zunehmend deutlich, beginnen die Auseinandersetzungen auf der einen und die Beziehungen auf der anderen Seite. Das Thema Liebe und Beziehung zieht sich durch dieses Alter mit stets größer werdender Bedeutung.

Das Abstraktionsvermögen ist im Jugendalter weit entwickelt und es kommen klare Vorstellungen von Ethik und Moral hinzu. Diese bilden sich insbesondere in Diskussionen über Gott und die Welt weiter aus. Zentral ist der Einfluss durch Informationen von außerhalb des Schulräume. Daher gehen die Schüler zunehmend raus in die Welt, machen Praktika, Schüleraustausche und Arbeitseinsätze. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen, Stärken und Wertvorstellungen ist unabdingbar, um den eigenen Weg in der Welt zu finden.

Themengebiete des Lernens

Freies Lernen

Soziales und Ökologie gehören zu den wichtigsten Themengebieten, absolut gleichrangig mit Wissen und Können.

Auf theoretischer Ebene werden an der FSH die Lerninhalte in drei zentrale Themenkomplexe aufgeteilt: Soziales, Ökologie und Wissen/Können. Auch wenn all dies in Regelschulen ebenfalls im Lehrplan aufgeführt ist, so konzentriert sich der tatsächliche, konventionelle Schulunterricht doch meist sehr stark auf die Herausbildung von Wissen. Gerade hier ist der unterschiedliche Fokus, die Wertverschiebung zwischen Regelschule und Freier Schule sehr deutlich zu erkennen.

Beim Thema Soziales stehen Überlegungen dazu im Mittelpunkt, wie innerhalb der Lernformen Beziehungen zwischen den Kindern sowie der Kinder zu den Erwachsenen geformt werden können. Von Anfang an lernen die Schüler auf der Basis von nur ganz wenigen Grundregeln, miteinander friedlich umzugehen. Kommt es dennoch zu Konflikten, wird deren Lösung mittels der bereits beschriebenen Konfliktschlichtung demonstriert. Außerdem hat jedes Kind die Freiheit, seine eigene Rolle an der Schule zu finden, da weder Klassenverbände noch Verantwortungen verpflichtend vorgegeben werden. Im Rahmen der Morgenkreise und Schulversammlungen wird bereits in sehr jungem Alter deutlich, was Verantwortung und Mitbestimmung in einer Gruppe, einem sozialen Verband, bedeutet.

Hinsichtlich der Ökologie liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf dem Verstehen von Zusammenhängen. Es ist heute unerlässlich, den Kindern bereits früh vor Augen zu führen, wie die Dinge voneinander abhängen und welche Rolle jeder einzelne in diesem Netzwerk von Variablen hat. So spielt die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen stets eine Rolle im Schulalltag. Mit zunehmender geistiger Reife können die Fragen der Ökologie auch in Diskussionen ethischer und philosophischer Natur erörtert werden. Doch sollen dabei nie die Anschaulichkeit und die unmittelbare Erfahrung ausgeklammert werden.

In gleicher Wertigkeit steht auch das Aneignen von Wissen und Können. Ausgehend vom Selbstbildungsanspruch des Kindes müssen in den spezifischen Phasen die notwendigen Möglichkeiten gegeben sein, Interessen zu befriedigen. Die Unterstützung durch Material und Erwachsene steht jederzeit zur Verfügung. Inhaltlich ist die Variation enorm. Neben den klassischen Schulfächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Biologie, Mathe und Chemie können Kompetenzen in Ethik, Sport, Handarbeit und allem, was sonst noch denk- und machbar ist, aus Eigeninitiative heraus erworben werden.

Bewertungen und Abschlüsse

Ein großes Fragezeichen, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Konzept freier Schulen im Allgemeinen auseinandersetzt, bezieht sich auf die Vergabe von Noten und die Erlangung von Abschlüssen. Das Konzept ist hier in der Tat sehr alternativ, verschließt den Kindern aber keine der Möglichkeiten, die sie an staatlichen Schulen hätten.
Statt der bekannten Halbjahres- und Jahreszeugnisse gibt es an der FSH zwei Mal jährlich schriftliche Kommentare zu jedem Schüler. Darin wird das Verhalten und der Lernfortschritt jedes einzelnen Kindes wertfrei beschrieben. Grundlage für diese Kommentare bilden fortlaufende Tagesnotizen und ein Zwiegespräch mit jedem Schüler. Zusätzlich stehen Tagebücher über das im vergangenen Halbjahr bereit gestellte Lernmaterial zur Verfügung. Die Schüler werden zusätzlich selbst dazu angehalten, Tagebuch über ihre Lernaktivitäten zu führen. Der halbjährliche Kommentar dient weniger einer Bewertung des Erreichten, als vielmehr einer Orientierung, wo es in der nächsten Zeit hingehen kann. Bei Bedarf kann ein Notenzeugnis ausgestellt werden, zum Beispiel, wenn ein Schüler auf eine Regelschule wechseln soll. Um die Eigenverantwortung zu unterstreichen, wird ab einem bestimmten Alter jährlich ein Ausbildungsvertrag zwischen Schule und Schüler abgeschlossen. Diesen unterzeichnen die Schüler selbst und verpflichten sich damit, die Angebote durch die Schule entsprechend zu nutzen.

2010 wurde zum ersten Mal eine „Nicht-SchülerIn-Prüfung“ mit vier Schülern an der FSH abgenommen. Abgesegnet wurden die Prüfungen durch ein externes Kollegium. So steht den Schülern der FSH die Möglichkeit offen, einen vollwertigen Haupt- oder Realschulabschluss zu erwerben. Die Entscheidung dafür fällen sie selbstverständlich selbst – in Rücksprache mit Eltern, Lehrern und Mentoren. In der Regel beginnt die gezielte Vorbereitung auf einen Abschluss ein bis zwei Jahre vor der Prüfung. Die Erwachsenen stellen die benötigten Informationen und Materialien zur Verfügung. So ist den Schülern klar, welche Anforderungen ein Abschluss im Detail stellt. Oft einigt man sich im letzten Jahr darauf, ein oder zwei Nachmittage pro Woche regulären Unterricht zu den prüfungsrelevanten Themen zu veranstalten. Zusätzlich zum regulären Abschlusszeugnis erhalten die Absolventen der FSH ein sogenanntes EUDEC-Diplom, das die spezifischen Kompetenzen und Fähigkeiten des Schülers beschreibt.

Den ersten Teil der Serie findest Du hier: Freies Lernen an freien Schulen


Quellen/ Weitere Informationen:

1. http://www.freie-schule-heckenbeck.de/
2. http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/Lust-auf-Dorf,sendung482564.html
3. https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Schule_Heckenbeck

© Regenbogenkreis / Matthias Langwasser - Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text und die enthaltenen Bilder unterliegen dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf ohne Genehmigung weder kopiert oder veröffentlicht werden. Eine Verlinkung direkt auf die jeweilige Text-Seite sowie das Teilen in sozialen Netzwerken sind erlaubt und erwünscht.
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