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Fracking – Umweltbedrohung aus der Tiefe

Schon seit geraumer Zeit ist in den Medien immer wieder von Fracking die Rede. Erst vor 2 1/2 Jahren, am 04.07.2014, hat die Bundesregierung die Eckpunkte für die neuen Regelungen vorgestellt, die in Bezug auf diese umstrittene Technologie Anwendung finden sollen. Während die Bundesregierung von den „schärfsten Regelungen, die es je gab“ [1] spricht, bezeichnet die Bundestagsopposition den Vorschlag als „Fracking-Ermöglichungsgesetz“ [2]. Die Gründe, Fracking zu reglementieren oder gar zu verbieten, sind zahlreich. Bevor darauf eingegangen wird, soll aber zuvor noch erläutert werden, worum es beim Fracking überhaupt geht.

Was ist Fracking?

Stell Dir vor, Du würdest ein sehr tiefes Loch bohren, eine Mischung verschiedener Chemikalien hineingießen und im Anschluss versuchen, diese Flüssigkeit wieder nach oben zu pumpen. Klingt das nach einer guten Idee? Leider ist es ungefähr das, was man sich unter Fracking vorstellen muss.

Fracking ist eine Technik, die genutzt wird, um Erdgas zu fördern. Bei der konventionellen Erdgasförderung nutzt man Erdgaslagerstätten in Hohlräumen oder stark porösem Gestein. Fracking kommt immer dann zum Einsatz, wenn das Erdgas nur in kleinen und untereinander kaum oder schlecht verbundenen Poren lagert. Das Fracking erzeugt hierbei Risse im Gestein, durch die das Gas ausströmen und genutzt werden kann.

Infografik Fracking
 

Hierfür treibt man eine horizontale Richtbohrung von bis zu 1000 m in das gashaltige Gestein. Anschließend wird mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Stützmitteln und Chemikalien ("Frac-Gemisch") in das Bohrloch gepresst. Hierdurch werden Risse erzeugt, die durch das Stützmittel offen gehalten werden. Anschließend wird die Bohrflüssigkeit zusammen mit dem Gas wieder nach oben gepumpt.

Umweltprobleme

Die beim Fracking eingesetzten Chemikalien sind zum Teil nicht unproblematisch. Einige der eingesetzten Stoffe sind giftig, wassergefährdend oder können Krebs auslösen. Dadurch können an zahlreichen Stellen Umweltprobleme entstehen. Erstens besteht die Möglichkeit, dass es bei Transport oder Lagerung der Stoffe, bzw. an der Bohrstelle, zu Unfällen kommt und die gefährlichen Chemikalien so in die Umwelt gelangen. Zweitens ist noch nicht mit Sicherheit geklärt, ob sich das Bohrloch so abdichten lässt, dass eine Verunreinigung durchbohrter Grundwasserschichten vollkommen ausgeschlossen ist. Fracking kann somit die Grundwasserqualität und damit auch die Trinkwassersicherheit gefährden. Drittens verbleibt ungefähr die Hälfte der eingesetzten Bohrflüssigkeit in der Lagerstätte. Auch hier wäre längerfristig gesehen eine Grundwasserverunreinigung möglich. Viertens muss die abgepumpte Bohrflüssigkeit gelagert, abtransportiert und sicher entsorgt werden. Auch hier gibt es ein großes Potenzial für Unfälle mit möglicherweise verheerenden Folgen, zumal bisher keine überzeugenden Konzepte für die umweltgerechte Entsorgung des zurückgepumpten Chemiecocktails vorliegen (!). Verschärft wird das Problem durch den Umstand, dass mit der Bohrflüssigkeit auch unerwünschte Stoffe aus der Lagerstätte nach oben gepumpt werden, beispielsweise Schwermetalle oder mancherorts sogar radioaktive Mineralien.

Abgesehen von den Chemikalien ergibt sich noch ein weiteres Problem. Durch den hohen Druck, der beim Fracking zum Einsatz kommt, wird die Gesteinsstruktur massiv und nachhaltig geschädigt. Auch wenn gravierende Konsequenzen wie größere Erdbeben von Experten bisher ausgeschlossen werden, so sind längerfristige geologische Auswirkungen mindestens plausibel.

Fracking Fördermaschine

Erdgas Fördermaschine.

Fracking ist ineffizient und setzt falsche Anreize

Fracking ist nicht sehr effizient. Nicht selten nehmen Förderraten um 70 % pro Jahr ab. Darüber hinaus ist der Bereich, der durch Fracking effektiv ausgebeutet werden kann, auf ein relativ kleines Gebiet um das Bohrloch herum beschränkt. Um eine größere Lagerstätte ausbeuten zu können, müssen somit eine Vielzahl an Bohrungen vorgenommen werden.

Hinzu kommt, dass Fracking auch energiepolitisch ein falsches Signal setzt. Durch Erschließung immer schwerer abzubauender fossiler Rohstoffe wird der Wechsel zu regenerativen Energiequellen weiter hinausgezögert und behindert. Es ist somit überhaupt nicht wünschenswert, eine neue Fördertechnik für einen fossilen Energieträger zu entwickeln oder auszubauen, da dieses Vorgehen Ressourcen von der Entwicklung und dem Ausbau erneuerbarer Energien abzieht. Allein aus diesem Grund wäre Fracking schon abzulehnen, selbst wenn es vollkommen gefahrlos wäre – was es aber nicht ist.

Somit stellt Fracking lediglich für die großen Energiekonzerne eine letzte Möglichkeit dar, mit ihrem fossilen Energiemodell noch etwas länger satte Gewinne einzufahren – auf Kosten der Umwelt, des Klimas und unserer aller Gesundheit!

Die politische Situation

Der bisher vorliegende Vorschlag der Bundesregierung lässt einige Punkte offen, die Fracking nach wie vor möglich machen. So bleiben Tiefbohrungen unter 3000 m zulässig und zwar ohne Einschränkungen im Hinblick auf die Bohrflüssigkeit. Zwar sind Überwachungsmaßnahmen und Umweltschutzprüfungen angedacht, aber diese können Unfälle nicht verhindern, sondern bestenfalls frühzeitig erkennen – und das auch nur, wenn sie mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt und kontrolliert werden. Über 3000 m ist eine Förderung aus großporigem Gestein („tight gas“) zulässig, aus Schiefer- und Kohleflöz-Schichten nur im Rahmen wissenschaftlicher Erprobungsmaßnahmen. Eine solche Regelung öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. So wird nicht erklärt, welche Art von Bohrung als wissenschaftliche Erprobungsmaßnahme gilt und welche nicht.

Fracking ist eine unnötige, unwirtschaftliche und potenziell gefährliche Technologie. Aus diesem Grunde ist es enorm wichtig, gesellschaftlichen Druck auf die Politik auszuüben, damit die bisherigen Eckpunkte vor Verabschiedung noch einmal deutlich verschärft und ein tatsächliches, ausnahmsloses Verbot der Fracking-Technologie erreicht werden kann. Eine einfache, bequeme und schnelle Möglichkeit, hier etwas zu tun, liegt darin, eine der zwei deutschlandweiten Petitionen zu unterzeichnen:

http://www.campact.de/fracking
https://secure.avaaz.org/de/petition/Frackingfreies_Deutschland/?pv=28

Wer noch mehr tun will, kann sich in einer der vielen regionalen Initiativen zu diesem Thema engagieren. Eine Übersicht findet sich hier:http://www.gegen-gasbohren.de/

Auf den Seiten finden sich zusätzlich auch noch weiterführende Informationen zu dem Thema.

 

Quellen:

1: www.bmub.bund.de/P2378/

2: https://www.gruene-bundestag.de/themen/umwelt/fracking-ermoeglichungsgesetz-der-groko_ID_4392426.html

 

 

© Regenbogenkreis / Matthias Langwasser - Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text und die enthaltenen Bilder unterliegen dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf ohne Genehmigung weder kopiert oder veröffentlicht werden. Eine Verlinkung direkt auf die jeweilige Text-Seite sowie das Teilen in sozialen Netzwerken sind erlaubt und erwünscht.
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