Einwegmasken: Müllberge und Umweltprobleme durch die Coronapandemie

Coronavirus und Maskenpflicht – was tun?

Seit März 2020 wurde die Welt durch den extremen Umgang mit dem Coronavirus in den Ausnahmezustand versetzt. Eine der Restriktionen des persönlichen Bereichs, ist der Zwang, in der Öffentlichkeit eine Maske tragen zu müssen - denn sie soll nach Meinung der Behörden und Politiker vor der Verbreitung des Coronavirus schützen.

Reichte in der Vergangenheit ein wiederverwendbarer „Mund-Nase-Schutz“ aus Stoff, wurden die auferlegten Bestimmungen Anfang 2021 noch strenger: Nur noch bestimmte Masken dürfen jetzt in der Öffentlichkeit getragen werden, da sie, so heißt es, die Verbreitung des Virus am besten verhindern könnten. Zum einen sind das medizinische Masken, auch OP-Masken genannt, zum anderen FFP2-Masken. FFP steht für „Filtering Face Piece“, die Nummer definiert das Rückhaltevermögen, also die Filterleistung. Eng am Gesicht anliegende FFP2-Masken sollen sowohl den Träger als auch seine Mitmenschen schützen, während medizinische Masken oder Stoffmasken vor allem die Partikel einfangen, die der Träger ausatmet oder durch Husten oder Niesen in die Umgebung abgeben würde.

Viele folgen der Aufforderung der Politik kritiklos und ohne zu hinterfragen. Dass dies als Bumerang zurückkommt, zeichnet sich bereits ab. Denn von behördlicher Seite wird unter den Tisch gekehrt, dass die eingeforderten, industriell gefertigten Einmal-Masken durch ihre diversen enthaltenen Schadstoffe und als gefährlicher Restmüll erhebliche negative Folgen für Umwelt und Gesundheit haben.

Informiere dich ausführlich über alle Seiten des Maske-Tragens und wäge dann ganz persönlich für dich ab, wie du ganz im Sinne deiner Gesundheit und der Umwelt mit dem geforderten Mund-Nase-Schutz umgehen möchtest.

Entsorgung von Atemschutzmasken wird zum Problem

Einwegmasken sind nicht nur für uns Menschen lästig und sogar ungesund, sondern bedrohen den gesamten Planeten. Spätestens seit Stoffmasken, ob gekauft oder selbstgenäht, vielerorts nicht mehr als ausreichend erachtet wurden und wir alle Einwegmasken tragen sollen, rollt ein wachsender Müllberg auf uns zu. Einwegmasken gehören in den Restmüll und können nicht recycelt werden. Im Idealfall landen die Masken, die nicht mehr brauchbar sind, also in der richtigen Tonne – alternativ landen sie fälschlicherweise in der Recyclingtonne oder im Gelben Sack, oder sie fallen versehentlich aus einer Jackentasche. Leider werden sie allzu oft auch einfach achtlos weggeworfen, auf die Straße oder in die Natur.

Atemschutzmasken sind potenziell infektiös, wenn der Träger womöglich mit dem Coronavirus infiziert war. Das kann beispielsweise für die Mitarbeiter der Müllabfuhr, aber auch für Mitbewohner, die im Haushalt denselben Mülleimer benutzen, zur Risikoquelle werden. Darum wird empfohlen, Masken zum Schutz in kleine Plastiktüten zu verpacken, bevor man sie entsorgt – was ohne Frage jedoch noch mehr Müll verursacht.

Einwegmasken in öffentlichen Papierkörben oder Mülleimern zu entsorgen ist nicht die sicherste Variante, besonders dann nicht, wenn diese ohnehin schon überquellen. Nimm deine Einwegmasken lieber mit nach Hause und entsorge sie dort in deiner Restmülltonne.

Zudem raten Experten, dass die Gummibandschlaufen, mit denen die Masken an den Ohren befestigt werden, abgeschnitten werden. Nur weil eine Maske in der richtigen Tonne gelandet ist, garantiert dies nicht in jedem Fall, dass sie nicht doch über eine Mülldeponie einem Tier zum Verhängnis wird, das sich in diesen Schlaufen verfängt oder sie gar auffrisst.

Müllberge durch Einwegmasken

Doch selbst wenn die Masken richtig entsorgt werden, stellen sie allein durch ihre schiere Masse eine enorme Belastung dar. China ist der weltgrößte Hersteller von Einwegmasken und produzierte im Februar 2021 pro Tag 116 Millionen Stück.

Das Ausmaß des Müllproblems veranschaulicht auch eine Studie aus dem Vereinigten Königreich: Forscher des University College London haben durchgerechnet, was es bedeutet, wenn jeder Brite ein Jahr lang an jedem Tag eine neue medizinische Einwegmaske aufsetzt und danach in den Müll wirft. Es käme ein Müllberg von 66.000 Tonnen verunreinigten Plastikabfalls zusammen, hinzu kämen 57.000 Tonnen Plastikverpackungen. Und das allein in Großbritannien, einem Land mit gut 67 Millionen Einwohnern, also weniger als Deutschland. Das Hamburger Umweltamt warnte bereits im vergangenen Mai, dass durch Einwegmasken, Einweghandschuhe und medizinische Schutzkleidung jährlich 1,1 Millionen Tonnen zusätzlicher Müll in Deutschland anfallen könnten, was sieben Prozent des gesamten Mülls wären, der ohne Pandemie anfiele.

Derartige Müllmengen werden während der Pandemie weltweit produziert, wobei es in vielen Ländern nicht einmal eine Müllabfuhr gibt, sondern die Masken mit anderen Abfällen auf Müllkippen, in Flüssen und im Meer landen. Vielerorts wird Müll auch verbrannt, ungeachtet der Inhaltsstoffe. Auch bei uns landen viele Masken in der Müllverbrennung, wobei Filteranlagen zwar die Luftverpestung reduzieren; aber niemand ist in der Lage, die Masken rückstandslos und schadstofflos in nichts aufzulösen. Während die Menschheit also versucht, einer Pandemie Herr zu werden, bürdet sie der ohnehin schon belasteten Umwelt eine weitere schwere Last auf.

Masken-Mix aus Kunst- und Giftstoffen

Eine gemeinsame Studie von Forschern an chinesischen und australischen Universitäten legte Hinweise vor, dass durch Einwegmasken Mikroplastikfasern in die Umwelt gelangen. Mikroplastik wurde bereits vor der Coronapandemie als gigantisches Problem identifiziert: Die winzigen Plastikpartikel wurden mittlerweile auf sämtlichen Kontinenten und selbst in der Tiefsee nachgewiesen; durch die Nahrungskette, über das Trinkwasser und sogar durch die Luft, die wir atmen, nehmen wir potenziell gesundheitsschädliches Mikroplastik auf und jeder Mensch trägt es bereits in sich. Die Unmengen an Einwegmasken verschärfen dieses Problem nun noch mehr. 

Mikroplastik und das noch feinere Nanoplastik kann sich im Körper ansammeln und einlagern, beispielsweise in der Leber und anderen Organen. Es steht in dringendem Verdacht, Vergiftungen, oxidativen Stress und Entzündungen hervorzurufen und Neoplasien (Neubildungen von Gewebe, unter anderem Tumorbildung) zu begünstigen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO behauptete zwar 2019 noch, dass Mikroplastik im Trinkwasser nicht schädlich ist und kein Gesundheitsrisiko darstellt, aber diese Überzeugung teilen bei weitem nicht alle Wissenschaftler. Während Langzeitstudien noch nicht vorliegen, warnen viele von ihnen vor einer tickenden Zeitbombe.

Die Einwegmasken bestehen meist aus Polypropylen, sind aber nicht immer aus einem einzigen Material gemacht. Die einzelnen Schichten einer Maske haben verschiedene Funktionen zu erfüllen: Die innerste Schicht kann Feuchtigkeit absorbieren und leitet sie nach innen weiter, die mittlere Schicht speichert die Feuchtigkeit und die äußerste Schicht ist wasserabweisend.

Die Mittelschicht hat eine besonders wichtige Aufgabe und besteht aus dem Kunststoff Polypropylen, einem Polymer, das im Meltdown-Verfahren zu einem Vlies verarbeitet wird, welches bis zu 98 Prozent der Partikel aus der Luft filtert. Andere Stoffe, die in den Masken stecken können, sind beispielsweise Polyurethan und Polyisopren.

Gesundheitsrisiko Einwegmaske

Insbesondere Polypropylen gilt als Kunststoff, der die Gesundheit nicht besonders gefährdet, weshalb er auch so gern im medizinischen Bereich eingesetzt wird. Allerdings sieht die Sache spätestens dann anders aus, wenn PP als Mikroplastik in unserem Körper landet, nachdem beispielsweise winzige Partikel davon eingeatmet wurden.

Die Eile und die Mengen, in der Schutzbekleidung und Masken plötzlich weltweit benötigt wurden, führten außerdem dazu, dass die Qualitätsstandards bei der Herstellung längst nicht einheitlich sind, sodass in manche mehr Schadstoffe stecken können als in anderen. So wurde insbesondere in manchen schwarz gefärbten Masken Anilin gefunden, ein Stoff, der bei Einatmung giftig ist und organschädigend wirken kann und im Verdacht steht, Krebs und genetische Defekte auszulösen.

In seltenen Fällen wurden auch Einwegmasken entdeckt, die mit Klebern verarbeitet wurden, die Formaldehyd freisetzen. Formaldehyd kann Haut, Augen und Schleimhäute reizen und Allergien hervorrufen. Es beeinträchtigt Konzentrationsfähigkeit, Schlaf und Gedächtnisleistung und wird als „wahrscheinlich krebsauslösend“ eingestuft.

Einwegmasken, die unangenehm streng riechen und deren Geruch auch nach Auslüften nicht verfliegt, solltest du sicherheitshalber gar nicht tragen, sondern nach Möglichkeit reklamieren.

Zu den Auswirkungen des Tragens von Gesichtsmasken auf den Körper gibt es einen eigenen Blogartikel.

Obwohl die Einwegmasken nur so kurz getragen werden, hat die Natur lange damit zu tun, denn Polypropylen und andere Kunststoffe brauchen Jahrhunderte, bis sie sich aufgelöst haben, und in dieser Zeit richten sie Schaden an und vergiften Flora und Fauna im Meer und an Land – und auch uns.

Achtlos weggeworfene Masken bedrohen die Natur

Ob man durch die Stadt läuft oder in einem Naherholungsgebiet spazieren geht – in Pfützen, unter Büschen und auf Straßen stechen einem mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder Einwegmasken ins Auge. Achtlos weggeworfen oder versehentlich verloren warten sie, in den Dreck getrampelt, darauf, von der Stadtreinigung oder freiwilligen Aufräumern und Müllsammlern beseitigt zu werden. Manche Maske landet auch in der Kanalisation, in Gewässern und schließlich im Meer. Und in vielen Ländern, wo es keine Müllabfuhr wie bei uns gibt, landen die meisten Masken früher oder später ebenfalls direkt in Flüssen oder Ozeanen.

Die Meeresschutzorganisation OceansAsia errechnete, dass im Jahr 2020 rund 1,56 Milliarden Einwegmasken in den Weltmeeren landeten, wo die Masken oft an der Oberfläche treiben und von den UV-Strahlen der Sonne langsam zersetzt werden. Selbst an den Stränden unbewohnter Inseln werden sie angespült. Treiben sie einmal im Meer, dauert es 450 Jahre, bis sie komplett zerfallen und abgebaut sind, warnen OceansAsia-Experten. Und an Land sieht es natürlich kaum besser aus.

Atemschutzmasken als Gefahr für Tiere

Erschütternde Fotos zeigen, wie sich immer wieder Tiere in weggeworfenen Einwegmasken verfangen, vor allem Vögel, denen sich die Halteschlaufen der Maske um die Füße oder den Kopf gewickelt haben. Aber wie Gary Stokes von der NGO OceansAsia warnt, könnten die im Meer umhertreibenden Masken auch viele Meeressäuger, sogar Wale, töten, wenn sie sich als unverdauliche Masse in den Mägen der Tiere sammeln, sodass diese verhungern.

In Brasilien wurde im Magen eines Pinguins, dessen Kadaver an den Strand gespült worden war, eine Maske entdeckt. In Florida fand man einen toten Kugelfisch, der sich in einer Maske verheddert hatte. Und bei Marseille fanden Naturschützer einen verendeten, in eine Maske verfangenen Krebs.

Forscher fanden heraus, dass Meeresschildkröten Kunststoffe wie die, aus denen Einwegmasken hergestellt werden, oft einfach deshalb verspeisen, weil sie nach einer gewissen Verweildauer im Meer für die Tiere nach etwas Essbarem riechen und schmecken. 

Nicht nur im Meer, auch an Land bedroht der Maskenmüll Wildtiere: So wurden nahe Kuala Lumpur Makaken dabei beobachtet, wie sie auf den Gummibändern der Masken herumkauten.

Sobald Einwegmasken ausgedient haben, ist es also wichtig, die Gummischlaufen sicherheitshalber aufzuschneiden und die Masken sorgfältig zu entsorgen.

Von Recycling bis biologisch abbaubar: Neue Projekte machen Hoffnung

Einwegmasken sind ganz eindeutig keine langfristige Lösung, und nach Alternativen wird in aller Welt gesucht. Während zahlreiche Wissenschaftler Covid-19 weiter erforschen und an Heilmitteln und Impfstoffen arbeiten, sind andere Forscher dabei, unsere Probleme mit dem Maskenmüll zu lösen.

In Frankreich hat das Startup Plaxtil eine Technik entwickelt, um gebrauchte Masken zu recyceln. Dafür stellten die Tüftler in Supermärkten und an anderen passenden Orten Sammelcontainer auf und verarbeiteten bereits über 70.000 alte Einwegmasken. Nach einer ersten Reinigung werden die Masken zerkleinert, mit UV-Licht von Viren befreit und dann mit einem Bindemittel zu einem Rezyklat gemacht. Aus dem Recycling-Kunststoff werden beispielsweise Schutzvisiere gefertigt.

Studierende der Leuphana Universität in Lüneburg arbeiten an biologisch abbaubaren FFP-Masken, deren Stoff aus Zellulose aus Buchen- und Eukalyptusholz besteht, während die Bändchen aus biologisch abbaubarem Elasthan entstehen. Mit ihrem Startup namens Holy Shit wollen sie die Masken auf den Markt bringen. Optisch erinnern sie an bunte Alltagsmasken und durch einen Filter, den man hineinschieben kann, erlangen sie die Filterleistung von OP- und FFP-Masken. Daran, dieses austauschbare Filterelement ebenfalls biologisch abbaubar zu machen, wird noch gefeilt.    

Das deutsche Unternehmen Viotrade hat ebenfalls eine biologisch abbaubare Maske entwickelt, die derzeit auf ihre Zertifizierung wartet. Während verschiedene Unternehmen ihre umweltschonenden Lösungen derzeit zur Marktreife treiben, tickt die Uhr weiter, der Müllberg wächst.

Projekte wie diese machen immerhin ein wenig Hoffnung, dass zumindest die Müllmassen geringer werden könnten. Noch besser ist es jedoch, wenn deutlich mehr Menschen ganz auf das Tragen von Einwegmasken verzichten. Wenn du dir beispielsweise ein ärztliches Attest besorgst, das bescheinigt, dass dir das Maske-Tragen aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten ist, dann brauchst du mit den Einwegmasken weder dir noch der Umwelt zu schaden.

Weitere Informationen und Quellen:

Millions of face masks are being thrown away during COVID-19.

UCL ENGINEERING

Short CommunicationCovid-19 face masks: A potential source of microplasticfibers inthe environment

IPA Institute für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7068600/

PMC US National Library of Medicine 

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